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„Ein Karikaturist sollte ein soziales Gewissen haben, doch vor allem sollte er witzig sein.” James MacLeod
Unter Karikatur (von lat.: carrus = Karren, also: Überladung, und ital.: caricare = überladen, übertreiben) versteht man die komisch überzeichnete Darstellung von Menschen oder gesellschaftlichen Zuständen, häufig mit politischer Tendenz. Die Zeichner von Karikaturen nennt man Karikaturisten, das Zeichnen karikieren.
Der Begriff Karikatur wurde von Philipp von Zesen durch den Ausdruck Zerrbild eingedeutscht.
Bei Karikaturen handelt es sich meist um eine bildliche Form der Satire, die sich als parteiische Kritik an bestehenden Werten oder politischen Verhältnissen versteht und oft als „Waffe” in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen verwendet wird. Die Karikatur übertreibt bewusst, spitzt zu und verzerrt charakteristische Züge eines Ereignisses oder einer Person, um durch den aufgezeigten Kontrast zur Realität und die dargestellten Widersprüche den Betrachter der Karikatur zum Nachdenken zu bewegen. Oftmals nimmt die Karikatur zu einem aktuellen Sachverhalt sarkastisch-ironisch Stellung. Wesentliche Fehler und Mängel der dargestellten Person (z.B. eines Politikers) oder des dargestellten Objektes oder Ereignisses werden aufgedeckt und durch die Art und Weise der meist zeichnerischen Präsentation der Lächerlichkeit preisgegeben.
Die Karikatur kann mehr satirisch oder eher humoristisch ausgerichtet sein, je nachdem, ob sie ihr Opfer völlig verurteilt und lächerlich macht oder als bloße Witzzeichnung nur einige Mängel mit leiser Ironie kommentieren will. Bei einer Deutung von einer Karikatur geht man in folgenden Schritten vor: 1. sich informieren, 2. beschreiben, 3. erklären und 4. zusammenfassen.
Die ersten Karikaturen soll es bereits in der Antike gegeben haben. Auf altägyptischen Papyri, griechischen Vasen oder an Hauswänden im alten Rom fanden sich vereinzelt karikaturähnliche Darstellungen. In mittelalterlichen Kirchen finden sich an Kapitellen der Säulen oder in der Buchmalerei satirische Motive. Während der Reformationszeit wurden auf Flugblättern Vertreter des Protestantismus und Katholizismus von der jeweiligen Gegenseite karikiert. Leonardo da Vinci zeichnete einige groteske Zerrbilder von Zeitgenossen. Im 16. Jahrhundert widmen sich die Gebrüder Carracci der Porträtkarikatur. In Holland gab es im 17. Jahrhundert moralisierend-satirische Graphiken. Die eigentliche gesellschaftskritische Karikatur entwickelte sich im 18. Jahrhundert in England. Einer der Vorläufer der modernen Karikaturisten war William Hogarth mit seinen „modernen Lebensbildern”, die vor satirischen Seitenhieben nur so strotzten. In seiner Nachfolge wirkten in England die ersten politischen Karikaturisten, darunter James Gillray, Thomas Rowlandson und später George Cruikshank, die Karikaturen gegen das englische Königshaus, gegen englische Politiker oder gegen die Französische Revolution zeichneten.
In der Schweiz widmet sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Rodolphe Töpffer komischen Bildergeschichten. In Frankreich kommt es im 19. Jahrhundert zu einer Blüte der karikaturistischen Zeichnung. Hervorragende Zeichner wie Honoré Daumier oder Grandville üben in satirischen Blättern wie La Caricature und Le Charivari gesellschaftliche Kritik am Spießbürgertum. Eine komplette Übersicht über das Gesamtwerk von H. Daumier finden Sie unter www.daumier-register.org sowie allgemeine Informationen über diesen Künstler unter www.daumier.org. Ähnliche Blätter erscheinen in anderen Ländern: der Punch in London, die Fliegenden Blätter in München oder der Kladderadatsch in Berlin.
Beispiel für eine personale Typenkarikatur 1870. Uncle Sam (als Symbol für die Amerikanischen Werte): Was soll er mit Ihnen Anfangen?
Hinsichtlich der formalen Darstellungsstruktur unterscheidet man die apersonale Sachkarikatur, die personale Typenkarikatur und die personale Individualkarikatur.
Die Sachkarikatur kommt am seltensten vor. Obwohl sie meist auf politisch-personales Handeln abzielt, bezieht sie ihre Aussagen primär auf Sachen oder Gegenstände, die der Betrachter jedoch leicht mit bestimmten Personen in Verbindung bringen kann.
Die personale Typenkarikatur beschäftigt sich mit Staaten, Völkern, sozialen Gruppen, Institutionen und Verbänden. Eine bestimmte Figur steht in diesen Karikaturen z.B. stellvertretend für einen Staat oder das Volk einer bestimmten Nation: So repräsentiert der „Michel” die Deutschen oder Deutschland, „Marianne” die Franzosen oder Frankreich, der „Yankee” die US-Amerikaner oder die USA, vornehme Kleidung und Zylinder den Unternehmer, Latzhose und Schutzhelm den Arbeiter, die Seppelhose den Bayern usw. Auch Tiergestalten können solche Repräsentationsfunktionen übernehmen: Beispiele sind der britische oder der bayerische Löwe, der russische oder der Berliner Bär, der chinesische Drache usw.
Am verbreitetsten ist die personale Individualkarikatur. Oft werden bekannte Politiker karikiert, die vom Karikaturisten individuelle, unverwechselbare Gesichtszüge, Gestalt- oder Kleidungsmerkmale erhalten, so dass die dargestellte Person eindeutig identifizierbar ist. Bestimmte Merkmale des Politiker-Gesichts die Haarform, eine lange Nase, ein markantes Kinn etc. werden übertrieben dargestellt, um die Wiedererkennbarkeit zu erhöhen. Ergänzende typische Attribute sorgen für die allgemeine Wiedererkennbarkeit der karikierten Person. Bekannte Karikaturisten wie Horst Haitzinger charakterisieren dabei ihre "Opfer" durch ihre persönliche stilistische Note.
Inhaltlich lassen sich ebenfalls drei Karikaturtypen unterscheiden: die Ereigniskarikatur, die Prozesskarikatur und die Zustandskarikatur.
Die Ereigniskarikatur nimmt ein punktuelles Geschehen, etwa ein Tagesereignis von zeitlich begrenzter Aktualität aufs Korn, z.B. das Ergebnis einer Wahl, den Sturz einer Regierung, einen politischen Zwischenfall, eine politische Rede etc.
Die Prozesskarikatur zielt auf den geschichtlichen Wandel, will Wendepunkte hervorheben, Aufstieg und Abstieg kennzeichnen, beschäftigt sich mit dem Vorher und Nachher oder konfrontiert Ideen mit der Wirklichkeit. Oft erscheinen solche Karikaturen in einer zwei- oder mehrgliedrigen Bildfolge und schauen von der jeweiligen Gegenwart rückblickend auf die Vergangenheit.
Die Zustandskarikatur greift zwar meist aktuelle Anlässe auf, ist aber darum bemüht, von ihnen aus dauerhafte, wenig wandelbare, konservative Strukturen satirisch zu attackieren, etwa bestehende Herrschafts-, Gesellschafts- oder Wirtschaftsordnungen. Hierzu gehören auch die Panoramakarikaturen, die eine über die Tagesaktualität hinausreichende, allgemeine und längerfristige politische Lage kennzeichnen wollen.
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„Satire darf alles”
Kurt Tucholsky
| Karikaturen und Cartoons auf karikatur.augsten.at | Grafik Design, www.augsten.at„Die ,Mohammed-Karikaturen’ und die Ausstrahlung des MTV-Cartoons ,Popetown’ entfesselten 2006 heiße Debatten über Tabubrüche und Meinungsfreiheit. Das Tucholsky-Motto ,Satire darf alles’ war plötzlich in aller Munde. Tucholsky selbst hatte dieser als Generallegitimation missverstandenen Aussage allerdings eine gewichtige Einschränkung hinzugefügt: Satire dürfe zwar alles, aber nicht jeder solle Satiriker sein; Voraussetzung sei, ,daß man verstanden haben muß, bevor man karikiert, daß man überhaupt nur das satirisch behandeln kann, was man in seinem tiefsten Kern begriffen hat.’ ” (book5.de)
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